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Wie beobachtet man den Sternenhimmel ?
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In den letzten Wochen wurde an dieser
Stelle über den Ursprung, den Aufbau und die Entwicklung unseres
Weltalls berichtet sowie eine Einführung in die Gesetzmäßigkeiten
gegeben, welche den Bewegungen der Gestirne zu Grunde liegen. Nach
den Erläutungen zur Orientierung am Sternenhimmel, soll es nun um
die ersten Schritte gehen, die die Beobachtung des Firmaments
betreffen. Was benötige ich zum Beobachten? Wie bereite ich mich auf
eine Beobachtungsnacht vor? Was sollte ich trainieren und mit
welchen Objekten anfangen? Dieser Artikel wendet sich nicht an den
geübten Amateurastronomen, sondern an diejenigen, welche ihren Blick
zum ersten Mal gen Himmel empor richten und vorhaben, dies häufiger
zu tun. |
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Erste Schritte
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Eine der meistgestellten Fragen an
mich ist, welche Teleskop man sich als Anfänger
kaufen soll. Darauf antworte ich meist: gar keins!
Manch einer missversteht diese Reaktion im Sinne,
dass ich jemandem etwas vorenthalten will. Aber das
Gegenteil ist der Fall. Wenn ich einem absolutem
Anfänger raten würde, sich, noch bevor er sich mit
dem Sternenhimmel vertraut gemacht hat, ein nicht
ganz einfach zu bedienendes Instrument, wie ein
Teleskop zu kaufen, so wäre die Enttäuschung meist
absehbar. Aus meiner Erfahrung heraus, kaufen sich
viele irgendein Instrument aus dem Supermarkt,
richten es dann für einige Nächte auf den
Nachthimmel, bemerken, dass sie nichts so richtig zu
sehen bekommen und das Gerät landet in irgendeiner
Ecke ganz hinten im Schrank. Viele, anfänglich sehr
interessierten Ausflüge in die Welt der Astronomie
enden so frustrierend und die Begeisterung
verschwindet vielleicht für immer mit dem Teleskop
im Schrank. Der Versuch, auf Gut Glück mit
einem Teleskop am Himmel herumzuwandern, ist fast
nie von Erfolg gekrönt. |
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Meine erste Grundregel für die Eroberung
des Himmels lautet:
Üben Sie, sich am
Sternenhimmel zurechtzufinden!
Und dafür benötigen Sie nur eines: ihre
Augen! Glauben sie mir, das Sichvertrautmachen mit dem
nächtlichen Himmel ist wichtiger und interessanter als sie
denken. Das Wissen, welches sie sich auf diesem Wege
aneignen ist die Basis für jeden weiteren Schritt und jeder
neue Abend, an dem sie sich besser orientieren, Dinge
wiedererkennen und neues entdecken, wird eine Bereicherung
sein und eine Zufriedenheit auslösen, welche sie Schritt für
Schritt weitergehen lässt, ohne das Risiko, sich in den
Weiten des Alls zu verlieren oder sich in chaotischen
Versuchen, sich der Schönheit des Himmel zu nähern, zu
verzetteln.
Jahrtausende lang stand den Menschen
nichts anderes als das bloße Auge zur Beobachtung zur
Verfügung. Sie entschlüsselten viele Geheimnisse von
Gestirnen und deren Bewegung auch ohne optische Instrumente
und nahmen den Sternhimmel dennoch in ihr Denken und Fühlen
auf. Kalender entstanden, Bewegungen wurden vorherberechnet
und sogar die Erde aus ihrer Zentralstellung im Universum
gestoßen, einer Annahme, der man durch ungenaues Beobachten
durchaus verfallen kann.
Teleskope lassen uns zwar tiefen in
die Weiten des Alls eindringen, doch das Verständnis dafür,
was wir durch ein solches Instrument erblicken, setzt
zunächst die Beschäftigung mit dem nächtlichen Gewölbe
voraus. |
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Welcher Standort ist der Beste ?
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Diese
Frage kann nicht verallgemeinernd beantwortet werden. Die
Wahl des Beobachtungsortes hängt ganz davon ab, wie geschult
ihr Auge mit dem Anblick des Nachthimmels umgehen kann,
welches Instrument sie benutzen und was sie beobachten
wollen. Bewohner von Städten gelten meist als Benachteiligte
und in zahlreichen Veröffentlichungen wird empfohlen, sich
einen Standort weit ab von den Himmel aufhellenden Lichtern
der Zivilisation zu suchen, sich sogar ins Hochgebirge zu
begeben. Wenn sie als "Astroanfänger" jedoch ins Gebirge
gehen, werden sie von der Vielzahl der zu sehenden Sterne
erschlagen! Ungeübte Beobachter werden feststellen müssen,
dass es ihnen sehr schwer fällt, Sternbilder auszumachen,
denn die sonst nur schwach leuchtenden kleineren Sterne,
strahlen hier hell und verwirren den Blick.
Um sich mit den wichtigsten Sternbildern
vertraut zu machen, müssen sie nur etwas außerhalb der
Großstadt befinden. In kleineren Städten und auf dem Land
kann von daheim aus geübt werden. Die leichte Aufhellung des
Nachthimmels lässt nur die helleren Sterne übrig, die
auch auf einfacheren Sternkarten verzeichnet sind. Dies
erleichtert den Vergleich mit Vorlagen ungemein. Bevor sie
also eine "Beobachtungsreise" antreten, schauen sie erst
einmal nach, wie der Nachthimmel von ihrem Balkon oder ihrem
Hof aus aussieht. Meist weisen Balkone in den Süden. Sollte
ihr Blick zudem nicht durch andere Häuser, Mauern oder Bäume
verstellt sein und sie einen recht dunklen Himmel mit
zahlreichen Sternen erblicken, habe sie ihren ersten
Standort zur Himmelsbeobachtung bereits gefunden. Natürlich
entgehen ihnen zunächst einige Sternbilder, die des Nordens
zum Beispiel, aber niemand verlangt, dass sie sich sofort
mit allem vertraut machen. Ein freier Blick nach Norden ist
natürlich immer günstig, denn mit Hilfe des dort stehenden
Polarsterns können sie von jedem anderen Ort aus die
Himmelsrichtungen bestimmen (siehe dazu den Beitrag:
Orientierung am Sternenhimmel).


Selbst wenn von ihrem Haus aus der Horizont
nicht in Gänze einsehbar ist, bleibt noch genügend Himmel
übrig, den man nutzen kann. Ich kenne viele
Amateurastronomen, die ausschließlich von ihrer Terrasse
oder ihrem Garten aus beobachten und sogar hervorragende
fotografische Aufnahmen kosmischer Objekte anfertigen.
Später, wenn sie den Himmel wie "ihre Westentasche" kennen
und sie tiefer in den Weltraum vordringen wollen, sich
schwierigeren Objekten innerhalb der Deep Sky Kategorie
widmen, wird ein Ausflug in Landschaften entfernt von
aufhellendem Licht sicher notwendig, denn diese Objekte sind
zu lichtschwach, als dass man sie am aufgehellten
Nachthimmel in bewohnten Gebieten ausmachen kann.
Aber auch dem bloßen Auge öffnen sich dann
neue Dimensionen, denn viele Sternhaufen, Doppelsterne und
Nebel sind bereits ohne technische Hilfsmittel an einem
dunklen Firmament zu erblicken. Was sollte ich nun für
den ersten Beobachtungsabend besitzen und wie sollte ich
mich auf ihn vorbereiten? |
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Das Rüstzeug des Himmelsjägers
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© by Richard
Nachtigall 2002-2009
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Berlin, im
September 2002
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