Begriffe, auf die Sie immer wieder stoßen werden ...
Innerhalb
dieser Seite, aber auch in Fachbüchern und Zeitschriften,
werden Sie immer wieder auf Begriffe stoßen, bei denen dem
mancher nur eine ungefähre oder überhaupt keine Vorstellung
davon hat, was sich hinter ihnen verbirgt. Manche
Begriffe klingen sehr ähnlich und haben doch eine sehr unterschiedliche Bedeutung.
Einheiten für die Helligkeiten eines Gestirns oder der
Abstand von Objekten zueinander werden genannt und oft sogar
nur mit Abkürzungen einer entsprechenden Einheit versehen.
Es ist also wichtig zu verstehen, was sich hinten den
Termini verbirgt, was sie aussagen und welche Relationen in ihnen zum Ausdruck kommt.
Auf
einigen der Themenseiten wurden einzelne Begriffe schon genauer erklärt. Wenn
Sie diese zuvor gelesen haben, so können Sie mit den
Begriffen zirkumpolare Sternbilder, Sternbilder, Azimut,
Höhe, Ekliptik, Himmelsrichtung usw. schon etwas anfangen.
Andere Dinge blieben bisher unberührt. Lassen Sie uns also
einen kleinen Abstecher in die Welt der Astronomiebegriffe
machen. Ich werde mich dabei kurz fassen, einige Dinge nur
anreißen und oft vereinfacht darstellen. Einiges wird Ihnen
bekannt sein, anderes vielleicht noch nicht.
Prägen Sie sich
die Bedeutungen gut ein. Sie sind das Handwerkzeug, mit dem
Sie in Zukunft arbeiten werden. Sie helfen Ihnen,
Vorstellungen in Ihrer Wahrnehmung zu präzisieren oder sogar
zunächst nur entstehen zu lassen.
Worauf stoßen wir nun an
einem normalen Beobachtungsabend?
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1.
Die
Helligkeit der Gestirne |
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Die grundlegende Einteilung
der Gestirne nach ihrer Helligkeit an unserem Himmel ist eine
naheliegende und daher schon sehr alte Idee. Bereits im 2.
Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung begann im alten Griechenland
Hipparch solche Überlegungen anzustellen. Etwa 3 Jahrhunderte
später veröffentlichte Claudius Ptolemäus, der als Mathematiker und
Geograph in Alexandrien wirkte, bereits ein 13bändiges Werk zur
Astronomie, das Aussagen zum geozentrischen Weltbild und einen
Sternenkatalog enthielt, in dem die Positionen und Helligkeiten von
Sternen bis zur 4. Größenklasse erstaunlich genau aufgelistet wurde.
Sein Katalog basierte vermutlich auf dem Sternkatalog von Hipparch.
Die Helligkeitsskala, die von 1 bis 6 reichte, wobei die Objekte der
1. Größenklasse die hellsten und die der 6. Größenklasse die waren,
welche man mit bloßem Auge gerade noch sehen konnte, war für viele
Jahrhunderte gültig.
Auch die heute noch
verwendete Einheit für Helligkeiten - Magnitude - stammt aus dieser
Zeit und leitet sich von Magnitudo - Größenklasse - ab. Erst Mitte
des 19. Jahrhunderts begann man damit, diese Werte zu präzisieren,
denn optische Instrumente ermöglichten und forderten eine genauere
Einteilung. Man stieß auf den Zusammenhang, dass eine Stern der 1.
Größenklasse 100mal lichtstärker war als der der 6. Größenklasse. So
kommt es, dass wir heute einen jeweils logarithmischen Sprung des
2,512fachen haben. Die besten Teleskope der Neuzeit können Objekte
der 29. Größenklasse erspähen. Im Gegensatz zu denen, die wir mit
bloßem Auge sehen können (6. Größenklasse), sind sie rund 600
Millionen mal lichtschwächer! Auch werden so Dezimalstellen für
Größenklassen möglich. Aldebaran im Stier besitzt eine Größenklasse
von 0,85 und Sirius, der hellste Stern des Nachthimmels, besitzt
sogar einen negativen Wert von -1,47.
Eine Möglichkeit, Sterne
nach ihrer Helligkeit einzuteilen, ist also die Größenklasse. Und
auch wenn dieser Begriff dazu verleiten möge, so sagt er doch nichts
über die eigentliche Größe - also die Masse oder das Volumen des
Objektes aus. Die Gestirne am Nachthimmel sind unterschiedlich weit
von uns entfernt. Ihr Licht hat eine mehr oder weniger lange Strecke
zu uns zurückgelegt, wurde durch Gas und Staub gefiltert.
Leuchtschwächere Sterne könne an unserem Himmel dennoch heller
erscheinen als Sterne, die tausendmal mehr Licht produzieren, die
aber einfach weiter entfernt von uns sind. Wir sprechen also von
einer scheinbaren Helligkeit.

Bei ganzen Zahlen, wie zum
Beispiel einem Stern mit einer scheinbaren Helligkeit von 4,0mag,
spricht man auch heute noch von einem Objekt der 4. Größenklasse.
Die meisten Objekte besitzen jedoch Stellen hinter dem Komma. Auch
die Helligkeit von Planeten, Monden oder Nebel wird heute sehr exakt
bestimmt in Magnitudo (mag) angegeben. Die scheinbaren
Helligkeitsangaben verraten dem Kundigen viel darüber, wie hell ein
Objekt derzeit am Himmel leuchtet, ob er für die Suche nach ihm ein
Fernglas oder sogar ein Teleskop benötigt und lässt uns
Helligkeitsschwankungen empirisch und genau verfolgen.
Bei nicht "punktförmigen"
Objekten, wie zum Beispiel Nebeln, werden die Helligkeitsangaben auf
die Gesamtfläche bezogen berechnet. Ein Nebel, der eine scheinbare
Helligkeitsangabe besitzt, die uns von Sternen her vertraut ist, ist
im Teleskop somit deutlich lichtschwächer und schwieriger zu
beobachten. Dies führt bei Neueinsteigern in der Astronomie oft zu
Verwirrung und Enttäuschung.
Bleibt noch die Frage, wie
leuchtstark ein Objekt in Wirklichkeit ist. Um die so genannte
absolute Helligkeit von Sternen zu dokumentieren, hat man sich auf
folgendes geeinigt: man setzt alle Sterne mathematisch in eine
Entfernung von 10 Parsec, das sind 32,6 Lichtjahre, zu uns. Je
kleiner der Wert, umso mehr steigt auch hier die Helligkeit, in diesem
Falle sogar die wahre Leuchtkraft des Sterns. Dabei kommt es zu
Magnituden von bis zu -9!
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Eine
Helligkeitsangaben bei Sternen, Planeten und anderen
kosmischen Objekten können also folgendermaßen
aussehen: |
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Sirius: |
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scheinbare Helligkeit mV: |
-1,46mag (oder auch -1m,46) |
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absolute Helligkeit MV: |
+1,43mag (oder auch 1M,43) |
Noch eine kleine Anmerkung: meist ist
in der Umgangssprache mit "Helligkeit" die scheinbare Helligkeit
gemeint, da sie in der Amateurastronomie die größere Bedeutung hat.
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2.
Die
Entfernung von Gestirnen |
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Auch wenn Entfernungsangaben
oft unser Vorstellungsvermögen sprengen, so werden sie gern genannt,
um Dimensionen im All in ein Verhältnis zu setzen. Ich bin mir
bewusst, dass Sie sich die Strecken von 100 Millionen Lichtjahren
nicht bildlich vorstellen können, aber dennoch sagt dieser Wert
etwas aus: u.a., dass das Licht dieses Objektes 100 Millionen
Erdenjahre zu uns unterwegs war.
Das Licht des Mondes ist nur
rund 1 Sekunde zu uns unterwegs. Das der Sonne rund 8 Minuten. Und
reflektiertes Licht der äußeren Planeten braucht bereits einige
Stunde, bis es uns erreicht. Man bekommt also ein Gefühl dafür, was
man sieht - ob einen aktuellen oder einen längst vergangenen
Zustand. Mit der Zeit entwickelt man so eine, wenn auch sehr grobe
Vorstellung davon, mit welchen räumlichen Distanzen wir es in der
Astronomie zu tun haben und warum ein Blick zum Sternenhimmel auch
immer eine Reise in die Vergangenheit unseres Alls ist.
Es gibt unterschiedlichen
Möglichkeiten, die Entfernung von Objekten im Universum zu
bestimmen. Je weiter ein Objekt entfernt ist, umso komplizierter
werden diese Berechnungen. Ich möchte an dieser Stelle also
verzichten, genauer auf die Methoden einzugehen. Vielmehr sollen
einige Distanzen genannt und beschrieben werden.
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Einheit |
Abk. |
Anmerkung |
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Astronomische Einheit |
AE |
149 597 870, 691 Kilometer |
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mittlerer Abstand Erde - Sonne |
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wird für Distanzen innerhalb des Sonnensystems verwendet |
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Parsec |
pc |
30,856 776 mal 1012 Kilometer |
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206 264,806 AE/ 3,2616 Lichtjahre |
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Lichtjahr |
Lj |
rund 9,5 Billionen Kilometer |
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63
240 AE, 0,3066 pc |
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Strecke des Lichtes im Vakuum in einem Julinischen Jahr
(365,25 Tage) |
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Licht bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von rund 300
000 km/s |
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Eine
Entfernungsangabe von Objekten kann also folgendermaßen
aussehen: |
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Entfernung Erde - Mond: |
rund 384 400 km oder rund 1,3 Lichtsekunden |
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Entfernung Sonne - Erde: |
1
AE oder rund 8,3 Lichtminuten |
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Entfernung Aldebaran: |
65,1 Lj oder 20 pc |
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Ebenenausdehnung unserer Milchstraße: |
rund 100 000 Lj oder 30 kpc |
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3.
Abstände
und Größe von Objekten |
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Um Distanzen von Objekten
an unserer scheinbaren Himmelskugel zu beschrieben, die nichts über
den tatsächlichen Abstand aussagen, denn es handelt sich ja um eine
pure Projektion, bedient man sich der Einheiten Grad,
Bogenminute und Bogensekunde. Dabei geht man von einem
Vollkreis aus, der 360 Grad umfasst. In ihm finden sich 60
Bogenminuten (') in denen wiederum 60 Bogensekunden (") enthalten
sind. 1 Grad hat somit 3600 Bogensekunden. Diese Angaben, so man
regelmäßig mit ihnen arbeitet, dienen dazu, bereits vor der
eigentlichen Beobachtung eine ungefähre Vorstellung davon zu haben,
in welcher Distanz zwei Gestirne, z.B. einem Rendezvous zwischen
zwei Planeten, zueinander stehen.
Vor allem bei der Auflösung von
Doppelsternen hat der Winkelabstand eine Bedeutung. Man kann so das
Auflösungsvermögen des eigenen Instrumentes testen, also überprüfen,
welche Winkelkomponenten es noch voneinander zu trennen vermag. Nicht
zu vergessen sei natürlich die Bedeutung eines scheinbaren
Durchmessers, der viel darüber verrät, wie groß ein Gestirn im
Fernglas oder Teleskop erscheint, ob man Einzelheiten auf der
Oberfläche erwarten darf oder eine Phasengestalt gut zu erkenne ist.
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Für größere
Abstände am Himmel und zur allgemeinen Orientierung im
Gespräch miteinander, kann die ausgestreckte Hand
dienen, welche eine grobe Messung zulässt.
Die gespreizten
Finger einer Hand, von der Spitze des kleinen Fingers
bis zur Daumenspitze betrachtet, überspannen einen
Winkel von rund 20o.
Der bloße
Handrücken bei aneinander gelegten Fingern bedeckt rund
10o und die Breite des Zeigefingers 1o. |
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Eine
Winkelangabe bei Objekten kann also folgendermaßen
aussehen: |
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scheinbarer Durchmesser Venus: |
59'' |
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Abstand Mond - Planet: |
nur 3o |
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Abstand der Doppelsternkomponenten: |
37,4'' |
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Alle
zuvor genannten Begriffe sind allgemeingültige Angaben zur Beschreibung
von Größen. Um nun auf speziellere Begriffe zu kommen, stellen wir uns
einfach die Frage:
Was sehen
wir am Sternenhimmel ?
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