Home - Der Komet "Panstarrs" am Himmel - letzte Aktualisierung: 03.04.2013



"Auf, auf, du teufflisch- und verwegenes Hertze,

Sih an den Himmel eine Donner- Kertze,

Die uns und manchen Landen aufgestecket,

Der alles schrecket ..."

 

(Teil eines Kirchenbußliedes aus dem Februar 1681 anlässlich des Auftauchens eines Kometen)


Die Zeiten, in denen Kometen, früher auch Schweifsterne oder Haarsterne genannt, als Unheilboten betrachtet wurden, sind heute glücklicherweise vorbei. Doch wenn es wieder einmal so weit ist, dass sich ein solcher kosmischer Besucher an unserem Himmel ankündigt, schwingt auch heute noch etwas besonders in den Meldungen mit. Wir sind fasziniert von diesen, sich plötzlich vor unserem, so statisch scheinenden Sternenhimmel bewegenden Objekten und ihr Anblick an unserem Himmel stellt für die meisten ein besonderes Ereignis dar.

So wundert es nicht, dass in den letzten Wochen ein solches Gestirn aus den Tiefen unseres Sonnensystems die Welt der "Sternengucker" beherrschte:

der Komet C/2011 L4 - PanStarrs, der sich etwa seit Mitte März am Himmel zeigt.

Allerdings machte das Wetter im März vielen Beobachtern einen Strich durch die Rechnung. Meist war der Himmel stark bewölkt und wies nicht die kleinste Lücke auf.

Wer Anfang April mit bloßem Auge nach dem Kometen Ausschau halten will, wird langsam Schwierigkeiten bekommen. Mit einem Fernglas oder kleinem Teleskop ist er allerdings noch gut zu erkennen. PanStarrs wechselt vom Sternbild Andromeda in die Kassiopeia und Ende des Monats bewegt er sich auf die Grenze des Sternbildes Cepheus zu. Aktuell finden er sich in der Nähe der Andromedagalaxie. Wenn Sie über einen freien Horizontblick in Richtung Nord/ Nordwest verfügen, suchen Sie ruhig einmal nach dem kosmischen Vagabunden. PanStarrs steigt nun zwar höher über den Horizont und ist deutlich länger an unserem Himmel zu sehen, seine Helligkeit nimmt hingegen stark ab, da er sich jetzt wieder von der Sonne entfernt und an Lichtstärke verliert. Er befindet er sich dennoch in einer relativ dunklen Himmelsregion und kann so durchaus noch gut beobachtet werden- und das die ganze Nacht hindurch.

Auf den unteren Abbildungen finden Sie die Position des Kometen eingezeichnet (der Komet ist eine Illustration und zur besseren Erkennbarkeit hervorgehoben dargestellt).

Einen vorbeifliegenden Kometen mit bloßem Auge zu sehen, ist ein recht seltenes Ereignis. Seit vielen Jahren ist es das erste Objekt, dass ohne Fernglas erkannt werden konnte. Der letzte kosmische Gast auf den dies zutraf, war Hale Bopp im Jahre 1997.

Bevor es noch etwas genauer um die astronomischen Hintergründe des Kometen PanStarrs geht, machen wir zunächst einen kurzen Abstecher in die allgemeine Theorie.

Was sind Kometen überhaupt ?

Entstehung des Kometenschweifes

 

Astronomen sprechen von Kometen populär gern von „schmutzigen Eisbällen“, denn diese „Schweifsterne“, ein alter Begriff, der auf ihren Anblick zurückgeht, sind Kleinkörper, deren Kern aus gefrorenem Wasser, Kohlenmonoxideis, Methan und Ammoniak, sowie Staub und Mineralien besteht. Dieser Kern stellt den eigentlichen Kometen dar. Kommt das Objekt auf seiner Bahn in Sonnenähe, so wird dessen Oberfläche aufgeheizt, wodurch flüchtige Substanzen abheben und Staubteilchen mitgerissen werden.

Diese Teilchen bilden die so genannte Koma, die den Kometen schalenförmig umgibt. Der Sonnenwind drückt nun gegen die Teilchen der Koma und bläst diese weg, wodurch ein Schweif, der sich von der Sonne weg richtet, gebildet wird. Dieser Schweif, der einige Millionen Kilometer lang werden kann,  ist für uns nun wunderbar sichtbar und führt zum bekannten Anblick eines Kometen, wie wir ihn aus Büchern, oder sogar aus eigener Anschauung kennen. Untersuchungen ergaben, dass der bei uns sichtbare Teil des Kometen vor allem von reflektiertem Licht stammt, das die Staubkörnchen von der Sonne her zurückwerfen.

Der Materieverlust führt bei jeder Sonnenannäherung dazu, dass der Komet immer kleiner und kleiner wird, bis er schließlich irgendwann fast ganz verschwindet, sein Kern auf ein Minimum geschrumpft ist und nur noch Partikelreste auf seiner Bahn hinterlassen werden, die dann zum Beispiel Sternschnuppen an unserem Himmel aufblitzen lassen, sollte die Erde die Bahn des Kometen kreuzen.


Der Komet "Panstarrs"

Woher hat der Komet eigentlich seinen Namen? Auf der Vulkanspitze der Hawaii-Insel Maui durchmustert man mit einem Teleskop den Himmel und sucht nach Asteroiden, die der Erde potentiell gefährlich werden könnten. Bei dieser Himmelsüberwachung stieß man am 06.06.2011, nebenbei, auf einen neuen Kometen, der noch rund 1,2 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt war. Der Name des Projektes auf Maui lautet "Panoramic Survey Telescope & Rapid Response System" - kurz: "Pan-Starrs". Und so erhielt der Komet, dessen offizieller Name "C/2011 L4" lautet, seinen Beinamen.

Mitte März 2013 hatte sich der nichtperiodische Komet, welcher sobald nicht wieder bei uns auftauchen wird, der Sonne auf 50 Millionen Kilometer genähert und einen Schweif entwickelt. Seine Geschwindigkeit lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 70 Kilometer pro Sekunde. Aktuell bewegt sich der Komet wieder von der Sonne weg. Der Erde am nächsten war PanStarrs am 05. März 2013. Es trennten ihn 160 Millionen Kilometer von uns. Er war also auch zu diesem Zeitpunkt weiter als die Sonne von uns entfernt. Man geht davon aus, dass sich "Panstarrs" seit mindestens 100 000 Jahren das erste Mal im Innern unseres Sonnensystems und das erste Mal in Nähe der Erde überhaupt aufhält.

Sternwarte besuchen !

Da sich die Beobachtung des Kometen also unbedingt lohnt aber nicht ganz einfach ist, erkundigen Sie sich doch einfach, wo sich in Ihrer Nähe eine Volkssternwarte, astronomische Vereinigung oder Planetarium befindet. Alle diese Einrichtungen werden sicher Sonderveranstaltungen anbieten, die Sie bei Ihrer "Kometenjagd" unterstützen und darüber hinaus ausführlich informieren werden.

Link-Tipps (externe Seiten):
 
Video mit Prof. Harald Lesch
"Wann schlug der letzte Komet ein ?"
alpha-Centauri Sendung vom 12.07.2012 (br)
 


Video mit Prof. Harald Lesch
"Kometen: Botschafter des Unheils ?"
Leschs Kosmos Sendung vom 16.01.2012 (zdf)
 


Video der NASA über Panstarrs (engl.)
Video wird direkt von Youtube geladen - Verbindung wird aber erst durch Abspielen hergestellt !
 

 


Video zur Bahn des Kometen
Video wird direkt von Youtube geladen - Verbindung wird aber erst durch Abspielen hergestellt !
 

 



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Berlin, im September 2002