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Orientierung am Nachthimmel
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Unendliche Weiten
Für
die meisten Menschen ist der Sternenhimmel ein Buch
mit sieben Siegeln. Der Blick zum nächtlichen Firmament
suggeriert ihnen, dass in die unendlich scheinende
Anzahl von Lichtpunkten kaum Ordnung zu bringen
ist. Da man ohne Grundkenntnisse kaum etwas wiedererkennt
und somit wiederfindet, begnügt man sich weiterhin
mit dem Genuss unter romantischen Aspekten, den
ich natürlich keineswegs in Abrede stellen möchte.
Entgegen
der
allgemeinen Auffassung ist jedoch gar nicht so
schwer, sich am Sternenhimmel zu orientieren. Eine
regelmäßige Beschäftigung mit seiner Erscheinung
und etwas Übung lassen einen sehr schnell anders
auf den Nachthimmel blicken – die verwirrende
Objektzahl löst sich auf und das Firmament kann
einem ein Begleiter werden, egal in welcher Nacht
man den Blick zu ihm empor richtet.
In
diesem Artikel soll besprochen werden, was für
eine rasche Orientierung notwendig ist und welche Gesetze den Anblick des Firmaments gestalten. |
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Beginnen wir mit einem simplen Fakt:
die Erde ist nicht das Zentrum
des Universums!
Einige werde bei dieser
Aussage ob ihrer Selbstverständlichkeit vielleicht schmunzeln, aber die Erkenntnis eines
heliozentrischen Weltbildes, bei dem die Erde gemeinsam
mit anderen Planeten die Sonne umkreist, und unser heutiges
Wissen über den Aufbau und die Struktur des Universums
waren keineswegs sofort offensichtliche Tatsachen. Jahrhunderte
lang zog man astronomische Erkenntnisse aus der Beobachtung
des Nachthimmels mit bloßem Auge. Und dieser Anblick, sofern
er nicht mit empirischen und detaillierten Messungen verbunden
ist, lässt durchaus den Schluss zu, dass sich alles um die
Erde dreht. Auch so konnte man sich am Nachthimmel
orientieren und den Menschen in vergangenen Jahrhunderten
gelang dies sogar besser, als dem Großstadtbewohnern von
heute. Der Lauf der Gestirne war ein wichtiger Bestandteil
ihres Lebens und Ackerbau, Schifffahrt aber auch die
Bewegung zu Lande waren ohne astronomische Kenntnisse
unmöglich. Heute besitzen wir Navigationsgeräte und ein
Schilderwald säumt die Straßen. Mit ihrer Hilfe bewegen wir
uns von einem Ort zum nächsten und können, so wir es wollen,
jederzeit exakt sagen, wo auf der Erde wir uns befinden. Uns
stehen exakte Uhren und Kalender zur Verfügung, die uns die
Zeit bestimmen lassen. Der Sternenhimmel hat seine Bedeutung
für unsere Orientierung im Alltag verloren und mit ihr
schwand die astronomische Bildung. Und selbst wenn die
meisten wissen, dass sich das All nicht um die Erde dreht,
so kommt es mir in Gesprächen oft so vor, als sei in vielen
Köpfen das geozentrische Weltbild die prägende Vorstellung
bei der Erklärung von Himmelsbewegungen. Wie kommt das?
Nun, es ist
auf den ersten Blick ungemein praktisch!
Die
Sonne, der Mond und die Sterne gehen im Osten auf und im
Westen unter. Selbst die Planeten scheinen diesem Verhalten
zu folgen, auch wenn es bei ihnen, bei genauerer Beobachtung,
zunehmend kniffliger wird, denn ihre Bewegung kann mit
einem geozentrischen Weltbild, in dem sich alles auf
Kreisbahnen um die Erde bewegt, nicht erklärt werden. In der
Vergangenheit ignorierte man jedoch solche „Phänomene“
der Abweichung und versuchte, Beobachtungen immer wieder in
ein und das selbe Schema zu pressen.
Nicht
zuletzt bremste die Katholische Kirche über Jahrhunderte
den wissenschaftlichen Fortschritt, denn ihr war sehr an
einer Sonderstellung der Erde gelegen. Schnell wurde
man als Gelehrter der Ketzerei beschuldigt und sogar verurteilt,
wenn man geozentrisch abweichende Theorien aufstellte und
verbreitete. Irgendwann musste jedoch auch die Kirche nachgeben
und hat sich postum sogar bei einigen der zu Unrecht verurteilten
offiziell entschuldigt, denn auch sie musste anerkennen,
dass sich die Erde in einem heliozentrischen Sonnensystem
bewegt und die Sonne selbst einer von vielen Milliarden
Sternen im Universum ist.
Die Bewegung des Sternenhimmels konnte
früher nur dadurch erklärt werden, dass sich die
Himmelsphäre selbst um uns dreht. Dieser Eindruck entsteht, da
wir die Sterne, die Planeten und alle anderen Objekte des
Himmels an einem scheinbaren Himmelsgewölbe erblicken,
an dem sie fest angebracht zu sein scheinen,
oder vor dem sie, wie der Mond oder die Planeten eigene
Bewegungen vollziehen.
Dieses scheinbare Himmelskugel ist jedoch
eine optische Illusion, denn die Gestirne stellen sich nur
als bloße Projektion dar. Unser Auge ist nicht in der Lage,
die Tiefe des Raumes, in dem sich die Objekte befinden,
wahrzunehmen. Sie alle besitzen einen ganz eigenen Abstand
zu uns, der zunächst jedoch verborgen bleibt. Die Größe
eines Objektes an diesem Himmelsgewölbe hängt davon ab,
wie groß das Objekt ist und wie weit es entfernt ist. Bei
Sterne, von denen wir mit bloßem Auge etwas 3000 am gesamten
nördlichen Himmel sehen können, kommt als Faktor noch die
Helligkeit hinzu.
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Welche
Bewegungen können wir nun wahrnehmen?
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Die
offensichtlichsten
Bewegungen werden natürlich durch die Drehung der Erde um
ihre eigne Achse hervorgerufen. Innerhalb von knapp 24 Stunden
hat sich unser Planet einmal um sich selbst gedreht –
die Sonne ist im Osten auf- und im Westen untergegangen.
Und auch der gesamte Sternenhimmel eines Jahres
hat
sich über uns gezeigt, auch wenn uns dies meist nicht auffällt,
denn am Tage werden die Sterne durch die
hell
leuchtende Sonne überstrahlt.
In unseren Breiten gehen die meisten Sterne, da die Erdachse
leicht geneigt ist, auf und unter. Nur der
Nordhorizont macht da
eine Ausnahme. Aber dazu kommen wir später.
Durch die Kugelgestalt der Erde erblicken wir
auf der Nordhalbkugel andere Sterne als auf der Südhalbkugel.
Nur am Äquator ist der Blick auf alle, sich uns im Laufe
eines Jahres zeigenden Sterne frei. In Polnähe hingegen
verschwinden die Sterne nie unter dem Horizont. Die
jeweiligen Sternbilder kreisen nur am Himmel. Der
Himmelsnord- bzw. Südpol stehen genau im Zenit.
Zur
Bewegung der Erde um sich selbst, kommt ihre Bewegung um
die Sonne. Diese Umrundung dauert ein Erdenjahr. Sie ist
u.a. dafür verantwortlich, dass wir nicht in jeder Nacht
den selben Sternenhimmel sehen, sondern dieser stetig wechselt
und sich die Sterne über dem Südhorizont von Ost nach West täglich
ein Stück fortbewegen. So ist zu erklären,
warum wir im Sommer andere Sternbilder am Himmel sehen als
im Winter.
Da die Sterne, im Gegensatz zu den Planeten,
sehr weit von uns entfernt sind, erscheint ihre relative
Position zueinander auch über einen längeren Beobachtungszeitraum
unverändert. Man sprach deshalb früher von Fixsternen,
also feststehenden Sternen. Heute wissen wir, dass sich
alles um Universum in stetiger Bewegung befindet, also auch
die Sterne, die Galaxien und selbst die Galaxienhaufen.
In einigen Tausend Jahren werden sich die Sternbilder von
heute stark verformt haben und einige werden kaum wiederzuerkennen
sein.
Die
Planeten unseres Sonnensystems hingegen, bewegen sich auf
ganz eigenen Bahnen an unserem Himmel. Sie sind uns viel
näher und so werden Bewegungen ihrer selbst um die Sonne
und die aus der Eigenbewegung der Erde resultierenden Blickwinkelveränderungen
viel deutlicher. Sonne, Mond und Planeten ändern ihre Position
vor dem täglich wiederkehrenden Sternenhimmel. Der
Tagbogen der Sonne wächst im Sommer, die Auf und Untergangszeiten
des Mondes verschieben sich bereits innerhalb des jeweiligen
Monats und die Planeten wandern manchmal entgegen der allgemeinen
Bewegungsrichtung am Himmel von West nach Ost, beschreiben
sogar Schleifen, die durch den Überholvorgang der Erde erzeugt
werden. Dieser Vorgang konnte mit einem geozentrischen Weltbild
natürlich nicht erklärt werden.
Die Sternbilder
Eine der ältesten Versuche, sich Orientierung
am Himmel zu verschaffen, war die Aufteilung des Firmaments
in Sternbilder. Man fasste Sterne einer bestimmten Himmelsregion
zu einer mythischen Figur zusammen, wodurch man gleich zwei
Bedürfnissen nachkam: der der Orientierung und der einer
religiösen Handlung.
Noch heute bedient man sich der Sternbilder,
denn sie teilen nicht nur den Himmel in Regionen auf, sondern
prägen den Anblick des Nachthimmel nachhaltig. Dem Menschen
kommen solche optischen Hilfskonstruktionen einfach entgegen.
1922 legte die Internationale Astronomische Union (IAU)
88 Sternbilder fest und 1925 einigte man sich weltweit auf
genaue Grenzen bei jeder dieser Figuren. In der Astronomie
werden die hellsten Sterne eines Bildes mit einem griechischen
Buchstaben und der Abkürzung des lateinischen Namens der
Konstellation verknüpft, wobei der Stern
a
meist
der Hauptstern ist.

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Was
geschieht nach 24 Stunden am Himmel ?
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© by Richard
Nachtigall 2002-2009
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Berlin, im
September 2002
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